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Zahnarzt - Mundhöhle
Psychologie - Regeln

 

 

 

Regeln

   

Regeln brauchen Flexibilität

(Ute Meißner-Ohl, Dipl. Psychologin)



Manche Diabetiker, die am Anfang des bewussten Umgangs mit ihrer Krankheit in der Klinik eingestellt wurden, entwickeln danach Thesen, die in der ersten Zeit mit der Krankheit vielleicht ganz nützlich sind, aber dann im Laufe der Jahre kontraproduktiv werden können.

These 1: Wenn ich alles genau so mache, wie ich es damals im Krankenhaus gelernt habe, bleibt mein BZ immer im Normbereich. Also darf ich keinen Fehler machen.

Stimmt nicht:
a) Krankheiten, Infektionen, Fieber, bestimmte Arzneimittel (z.B. Cortison) erhöhen den BZ und sind meistens nicht wegzuspritzen oder mit Tabletten zu senken.
b) Stress, andere Lebensweise, andere Ernährung als damals in der Einstellungsphase können eine Veränderung der Werte bewirken. Dann müssen auch die Spritzendosen bzw. die Abstände angepasst werden. Ein stures Festhalten an dem ursprünglichen Konzept ist daher unsinnig.
c) Im Laufe einiger Jahre verändert sich der Körper, daher muss eine Anpassung bzw. eine Neueinstellung vorgenommen werden.

These 2: Spätschäden bekomme ich nur, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Also bin ich an diesen Folgekrankheiten selbst Schuld.

Stimmt nicht:
Folgekrankheiten können auch auftreten, wenn die Werte im „grünen Bereich“ liegen - sie sind dann nur statistisch seltener. Das bewahrt allerdings den gut eingestellten Diabetiker nicht völlig vor ihnen und hat auch nichts mit Schuld zu tun. Bei regelmäßigen Untersuchungen durch den informierten Arzt kann aber frühzeitig eingegriffen werden. Die Betroffenen sind allerdings verantwortlich dafür, diese Untersuchungen machen zu lassen - auch, wenn der Arzt sie vergisst oder für nicht so notwendig hält. .

These 3: Je mehr Regeln ich einhalte oder mir selbst gebe, umso besser ist es für meine Gesundheit.

Stimmt nicht:
Wenn ein zu striktes Regelwerk mich einengt, zwanghaft wird, mich vom normalen Leben ausschließt und mich in Gesellschaft zum Außenseiter macht, ist es eher schädlich. Wichtig ist, dabei zu bedenken, dass der Körper ist keine Maschine ist und auch Insulin unterschiedlich wirken kann. Gewisse Abweichungen sind also kein Fehler oder Unglück.

These 4: Je niedriger mein BZ und mein HbA1c - Wert ist, umso besser ist es.

Stimmt nicht immer:
Wenn Diabetiker/innen den Ehrgeiz entwickeln, ständig Werte um oder unter 100 zu haben oder HbA1c- Werte unter 5, besteht die Gefahr, dass sie sich häufig in der Nähe des Unterzuckers bewegen. Damit sind Leistungsfähigkeit und Lebensqualität eingeschränkt. Das ist unsinnig.

These 5: Der Arzt muss mir genau sagen, wie ich mich zu verhalten habe.

Stimmt nicht:
Diabetiker/innen müssen Fachleute für sich selbst werden. Selbstbeobachtung ist wichtig, aber nicht nur, um sich streng an Regeln zu halten, sondern auch um flexibel reagieren zu können. So ist der Arzt zwar ein fachlicher Berater, aber im täglichen Leben ist ein Ab- und Zugebenkönnen in Eigenverantwortung wichtig. Ein bisschen Experimentierfreude ist dann ganz nützlich. Natürlich muss man dann häufiger messen - und auch aus den Werten Konsequenzen ziehen!

Ute Meißner-Ohl, Dipl. Psychologin

   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

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